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Hals über Kopf und auf den letzten Drücker. “Hey Josia, wir haben noch 9 Wochen Zeit, dann startet das Festival. Wir brauchen ein neues Corporate Design, neue Webseite, jede Menge Social Media Content, Facebook und Instagram Ads, Sticker, und Betreuung unserer Social Media Präsenzen – kriegen wir das irgendwie hin?” Kurze Pause … “Ja! Aber es bleibt keine Zeit für Korrekturschleifen und Detailverliebtheit. Wir müssen sofort handeln und richtig Einheizen.”

Detect Classic Festival – wtf?

Detect Classic Festival hat sich einerseits zur Mission gemacht klassische Musik so zu inszenieren, dass sie für junge Menschen begreifbar und zugänglich wird, zum Anderen geht es auch einfach darum Musik aller Art – Electronica, Pop, Experimental, etc. mit einem gewissen Anspruch und zeitlosen Charakter aufzufangen und eine Plattform zu bieten. Initiator des Festivals ist die Junge Norddeutsche Philharmonie. Seit diesem (dem dritten) Jahr findet das Festival nicht mehr im Funkhaus in Berlin, sondern im Rahmen der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in Neubrandenburg, in einer alten Torpedoversuchsanstalt am Tollensesee statt. Mit zum Festival gehören dieses Jahr unter anderem die Kollektive Jonny Knüppel und Werkstatttraum, beides Kollektive aus der Berliner Subkultur, die dafür sorgen werden, dass sich das Festival trotz Pauken und Trompeten mehr nach Festival als nach Konzerthaus anfühlt. Mein besonderer Favorit unter den Artists ist das stegreif Orchester – ein wirklich freakiger, bunter Haufen, der mit allen Regeln und Konventionen bricht, die man der klassischen Musik normalerweise so unterstellt.

Ein ganz normaler Auftrag?

Klares Nein! Es ist zum Glück eher die Seltenheit, dass wir so kurzfristig alles stehen und liegen lassen, um auf Hochdruck an einem Projekt zu arbeiten. Normalerweise fängt die Promo für Festivals, die im Sommer stattfinden spätestens im Februar an – zu diesem Zeitpunkt sollten dann schon der Großteil des Bookings und der sonstigen Festivalpläne stehen. Aber wie das so oft (gerade bei kleinen Festivals) ist, läuft nicht immer alles so wie man es sich vorgestellt hat. Mit den Festspielen Mecklenburg Vorpommern, der Jungen Norddeutschen Philharmonie und Künstlerkollektiven wie Jonny Knüppel und Werkstatttraum trifft ein Gemisch von Leuten mit sehr unterschiedlichen Kommunikationsstilen, ästhetischen Vorstellungen, Szenecodes und Arbeitsweisen aufeinander. All das unter einen Hut zu bringen ist ebenso spannend wie anstrengend. Kein Wunder, dass nicht alles nach Plan läuft und es zu ständigen Kompromissen kommt.

Sind wir noch Jungfrau?

Zum Glück ist das nicht unser erstes Festival dieser Art und wir kennen den Stress. Festivals im Anfangsstadium sind immer ein Experiment und es geht meist nicht darum, dass alles 100% so wird wie man es sich in schillernden Farben ausgemalt hatte, sondern darum, dass sie überhaupt stattfinden und dabei so viel wie möglich vom ursprünglichen Geist erhalten bleibt. Kompromissbereitsschaft und Flexibilität sind wichtiger als Perfektion und obendrein braucht es stahlharte Nerven, mehrere kühle Köpfe und eine gehörige Portion Optimismus. Nicht selten zeigt sich erst auf den letzten Metern, ob die Rechnung aufgeht.

Ein neues Arbeitsmodell

Während dieser Beitrag geschrieben wird, stecken wir noch mitten in der heißen Phase der Festival-Promo. Trotzdem haben wir agenturintern schon ein riesiges Aha-Erlebnis gehabt: Wir haben zu Anfang unserer Kooperation vereinbart, dass wir (auf Grund der Zeitnot) auf Korrekturschleifen, Lastenhefte und lange Abstimmungsprozesse verzichten. Stattdessen arbeiten wir mit der Agentur komplett im Festivaleigenen Slack-Kanal – quasi als wären wir ein Teil des Festivalteams. Das schafft enorme kommunikatorische und zeitliche Vorteile. Die Festivalmacher fühlen sich direkt eingebunden, können bei jedem Arbeitsschritt ihren Senf dazu geben – und für uns ist es viel leichter unmittelbares und direkten Feedback zu bekommen. Wir haben weniger Ausschuss, weniger Pitches, weniger Präsentationen und viel weniger unnötige Kommunikation über vier Ecken. Unter Strich können wir so auch viel kosteneffizienter arbeiten. Das coolste ist aber, dass alle beteiligten viel mehr Spaß an der Sache haben wenn sie sofort Feedback bekommen und direkt miteinander kommunizieren: Der Grafiker bekommt direkt das Feedback vom Kunden, ist noch voll im Projekt und kann gleich weiterarbeiten. Der Kunde hat am Gestaltungsprozess teil und muss sich keine Sorgen darüber machen, was er da am Ende für ein Endprodukt vorgelegt bekommt von dem er Monate nichts gesehen hat. Wir werden dieses Arbeitsmodell definitiv weiter ausbauen und in der Zukunft unseren Kunden auch dann anbieten, wenn die Zeit nicht drängt – einfach weil es Sinn macht und viel effektiver und unmittelbarer ist.

Eine genaue Auswertung des Projekts “Detect Classic Festival 2019” gibt es in unseren Referenzen.